| Ja, das war der schönste Tag in unserem Leben, der 21. Juli 2002.Aber was danach kam .... Eigentlich begann das alles ja schon früher, noch bevor Rainer und ich uns kennenlernten, als ein "Abszeß" am Popo von Rainer, wie es ein Arzt bezeichnete. Welches auch von allein wieder vergehen sollte. Tat es aber nicht, im Gegenteil, es wucherte fröhlich vor sich hin. Es platzte schließlich auf und näßte. Ende 2002 wurde Rainer schließlich im Spital aufgenommen, wo man feststellte, dass es sich um ein Anal-Karzinom handelte. Nach zwei Chemo-Therapien un 30 Bestrahlungen hatte sich dieses "Abszeß" wunderbar zurückgebildet und wurde auch kleiner, aber nicht für lange Zeit. Im Sommer 2003 fing dieses Biest wieder zu wachsen an, wurde größer und größer, Rainer hatte große Schmerzen. Anfang Oktober ging's wieder ins Spital, wo er für den 24. einen Aufnahmetermin bekam. Das hieß noch zwei Wochen warten. aber die gingen auch vorbei. Was wir nicht wußten war, daß Rainer 1 Woche vor dem Aufnahmetermin einen Schlaganfall hatte ... 27 Stunden schlief er durch und war durch nichts aufzuwecken. Nach einer Woche Spitalsaufenthalt mit allen Voruntersuchungen wurde er dann schließlich operiert. Über sieben Stunden dauerte die OP, wobei ein kindskopfgroßer, eineinhalb Kilo schwerer Tumor entfernt wurde. Die Operationswunde ging vom Damm bis zum Steißbein und, weil man Rainer auch einen künstlichen Darmausgang legen mußte, vom Schambein bis über den Nabel. Eine Woche noch war er in einem Einbettzimmer untergebracht, dann verlegte man ihn in ein 6-Bett-Zimmer. Zum Absaugen des Wundsekretes wurde ein "Vac" angelegt (funktioniert ähnlich wie ein Staubsauger). Auch das war sehr schmerzhaft. Ca. zwei Wochen nach der OP erschien der Oberarzt bei Rainer und teilte ihm mit, dass er die hintere Wunde zunähen müßte, damit sie besser zuheilen könne. Das wurde auch gemacht, allerdings nicht im Operationssaal, sondern im Krankenzimmer, im Beisein der anderen Patienten, aber ohne Schwestern und ohne Narkose, nur mit einer örtlichen Betäubung. Und assistieren "durfte" ich dem Arzt. Nach sechs Wochen durfte Rainer endlich nach Hause, versehen mit einem Dauerkatheter. Als Rainer den Professor einmal fragte, wie lange es dauern würde, bis er wieder den Drang zum urinieren spüren könnte, meinte dieser: " Erst wenn der Kahteter wieder entfernt ist, aber den Blasenschließmuskel kannst schon jetzt mit Beckenbodengymnastik trainieren" und zeigte ihm, wie er das machen sollte. Was wir damals noch nicht wußten war, dass es da nichts mehr zu trainieren gab, weil der Schließmuskel bei der OP verletzt bzw. entfernt wurde!!! Wieder ein paar Wochen später entfernte man den Katheter. Sehr froh darüber, dass er diesen endlich los ist, fuhren wir nach Hause, wo Rainer sich ins Bett legte. Am Abend wollte er aufstehen, und da passierte es. Als er stand, rann plötzlich eine Menge Urin aus der Analwunde. Also wieder ins Spital! Als ich erzählte, was geschehen war, sagte man nur, dass das nicht möglich sei. War es aber doch! Rainer wurde gleich in die Urologie-Ambulanz geschickt. Dort setzte man ihm lediglich einen neuen, stärkeren Katheter. Einige Zeit ging .das recht gut, dann lief wieder der Urin aus der Analwunde. Wieder ins Spital, wieder einen stärkeren Katheter ... bei den Untersuchungen konnte nicht festgestellt werden, wieso der Urin beim After ausläuft - bis dann endlich einmal ein Röntgen OHNE Katheter durchgeführt wurde. Dabe stellte man fest, dass in der Harnröhre zwei Löcher sind. Zweimal wurde versucht, diese zu schließen. was aber mißlang. Jedesmal wurde Rainer nach Hause geschickt ohne Kontrolle, ob die Löcher auch dicht sind. Nach der zweiten mißglückten OP meinte man, dass man nichts mehr machen könnte. Das hieß, daß Rainer nun für den Rest seines Lebens nicht nur mit dem künstlichen Darmausgang und dem Katheter, sondern auch zusätzlich mit einer Windelhose herumlaufen müßte. Nachdem Rainer das Vertrauen in die Wiener Spitäler verloiren hatte, sich aber mit dieser Situation nicht abfinden wollte, nahmen wir Ende 2004mit der Universitätsklinik Innsbruck Kontakt auf. Nach Einsicht in die Befunde erklärte sich ein Oberarzt der Urologie bereit und imstande, sowohl die Löcher in der Harnröhre zu reparieren, als auch einen künstlichen Schließmuskel zu implantieren. Also fuhren wir im März 2005 voller Hoffnung und Zuversicht nach Innsbruck. Es folgten die üblichen Voruntersuchungen, und dann kam der Hammer: Es wurde festgestellt, dass Rainer nicht nur an Diabetes mellitus (Alterszucker) leidet, sondern auch an einer massiven Verkalkung linksseitig aber der Bauch-Aorta. In Innsbruck bekam er Infusionen gegen die Verkalkung, die dann in Wien fortgestzt wurden. Im Juni hatten wir den nächsten Termin in Innsbruck, aber dort stellte man lediglich fest, dass eine OP ein zu großes Risiko sei. Also fuhren wir nach fünf Tagen wieder nach Hause. Obwohl Rainer schon in Wien im Spital immer wieder sagte, dass er beim Gehen so starke Schmerzen im linken Bein habe und nach ein paar Schritten stehen bleiben muss, fand man es nicht der Mühe wert, dementsprechende Untersuchungen durchzuführen. Man meinte nur, dass diese von einer "Schonhaltung" kommen. Hätte man das schon damals vor zwei Jahren untersucht und dementsprechend behandelt, dann wäre es nicht so weit gekommen, wie es jetzt ist. Inzwischen ist Rainers linker Fuß bis zum Schienbein schwarz. Am Montag, den 24.10.2005 geht's wieder einmal ins Spital, wo ihm, wenn es möglich ist, das linke Bein amputiert wird. Wir hoffen, dass die Operation möglich ist, denn die Schmerzen, die er hat, sind unerträglich, trotz der starken Medikamente, die Rainer seit nunmehr 6 Monaten einnimmt.Inzwischen kann er keinen einzigen Schritt mehr gehen, ich muß ihn vom Bett in den Rollstuhl heben bzw. aus dem Rollstuhl ins Bett, im Bett umwickeln, im Bett waschen (baden und duschen darf er nicht, weil das linke Bein nicht nass werden darf). So sah Rainers Bein vor eineinhalb Monaten aus, inzwischen ist es noch schlimmer. Hoffentlich ist die OP möglich!!! Libra **************** Wien, am 10.11.2005 Am 27.10.2005 wurde Rainer das linke Bein oberhalb des Kniegelenks amputiert. Die Operation verlief laut Aussage der Ärzte komplikationslos, auch die Heilung macht gute Fortschritte. Demnächst wird ein Abdruck gemacht, dann bekommt er eine Prothese angepasst. Und dann muss Rainer erst wieder gehen lernen. Aber das wird schon werden. Zunächst sind wir beide einmal froh, dass diese wahnsinnigen Schmerzen vorbei sind. Libra |